Naturwein – Was ist das?

Naturwein – Unterschiede zu konventionellem und Bio-Wein

Was ist eigentlich Naturwein?

Der Begriff „Naturwein“ sorgt oft für Verwirrung – und das zurecht. Eine offizielle Definition gibt es nicht, was es für viele Verbraucher*innen schwierig macht, sich zurechtzufinden. Begriffe wie Low-InterventionBio oder biodynamisch werden häufig in einem Atemzug mit Naturwein genannt, obwohl sie nicht dasselbe bedeuten.

Das führt dazu, dass jeder Winzerin seine eigene Interpretation entwickelt. Ein ungeschriebenes Gesetz besagt allerdings: Naturwein setzt immer eine biologische Bewirtschaftung voraus – auch wenn diese nicht zwingend zertifiziert sein muss.

Meine Definition von Naturwein

So verstehe ich Naturwein – und so arbeite ich:

  • Biologische Bewirtschaftung der Weinberge
  • Förderung der Biodiversität durch Bäume, Sträucher und Lebensräume für Nützlinge
  • Alle Arbeiten von Hand – vom Rebschnitt bis zur Lese
  • Bodenaufbau durch Kompost und natürliche Kreisläufe
  • Handlese der Trauben
  • Spontangärung mit wilden, indigenen Hefen
  • Keine Zusatzstoffe oder Sulfite
  • Keine Filtration
  • Stressfreie Füllung über Falldruck

In 2025 ging ich noch einen Schritt weiter: Durch das ausbringen von Pflanzenstärkung wie Pflanzentees und -fermente, Molke, Essig und Komposttee, konnte ich vollständig auf Schwefel und Backpulver verzichten und meinen Kupfereintrag pro Hektar auf nur 150g beschränken – zugelassen sind bis zu 3kg/ha.

Ab 2026 wird auch vollständig auf Kupfer verzichtet. 

Eine vollständige Liste aller Behandlungen ab 2026 wird bald auf der Website veröffentlicht. 

Was steckt im Wein – konventionell vs. bio vs. natur

1. Konventioneller Wein

In der konventionellen Weinherstellung gleicht der Keller oft eher einem Labor. Zahlreiche Zusatzstoffe kommen zum Einsatz, um Geschmack, Farbe und Stabilität zu steuern.

Hier einige Beispiele (laut EU-Verordnung 2019/934):

KategorieBeispieleZweck
SäureregulatorenWeinsäure, Apfelsäure, CitronensäurepH-Korrektur, Geschmacksausgleich
KonservierungSchwefeldioxid, KaliumbisulfitSchutz vor Oxidation & Verderb
StabilisatorenGummi arabicum, CarboxymethylcelluloseVermeidung von Trübungen
GaseArgon, Stickstoff, KohlendioxidSchutzatmosphäre beim Abfüllen
HilfsstoffeEnzyme, Gelatine, Eiweiß, BentonitKlärung & sensorische Anpassung

Viele dieser Stoffe gelten als „technologische Hilfsstoffe“ – sie müssen nicht auf dem Etikett angegeben werden

2. Rückstände von Pflanzenschutzmitteln

In konventionellen Weinen lassen sich regelmäßig Rückstände von Fungiziden, Insektiziden und Herbiziden nachweisen.

Beispiele: Boscalid, Fenhexamid, Cyprodinil, Dimethomorph, Pyrimethanil, Folpet, Glyphosat.

Durchschnittliche Rückstandsgehalte:

  • Konventionell: ca. 0,06 mg/kg
  • Bio-Wein: ca. 0,008 mg/kg

Gesetzlich unbedenklich – aber im Glas spürbar? Diese Frage lasse ich offen stehen.

3. Biowein

Auch Biowein ist nicht völlig zusatzfrei. Er darf jedoch nur streng reglementierte, natürliche Stoffe enthalten – das Ziel: so wenig Eingriff wie möglich.

Erlaubt sind u. a.:

  • Weinsäure (zur Säureregulierung)
  • Bentonit (zur Eiweißstabilisierung)
  • Natürliche Hefenährstoffe
  • Geringe Mengen Schwefeldioxid (30–50 % weniger als konventionell)
  • Pflanzliche oder mineralische Klärstoffe (z. B. Erbsenprotein, Kaolin, Aktivkohle)

Mein Fazit

Wir haben verlernt, den echten Geschmack des Weins zu schätzen.
Naturwein schmeckt manchmal wild, manchmal ungestüm – aber immer ehrlich.

Die Vielzahl an zugelassenen Zusatzstoffen in konventionellem Wein hat unseren Geschmack geprägt – und verfälscht, was Wein eigentlich ist: vergorener Traubensaft, Ausdruck von Boden, Klima und Mensch.

Mit meinen Weinen will ich dem etwas entgegensetzen –
Wein, wie er gemeint ist. Ohne Zusätze. Ohne Maskerade. Nur Natur.